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Das H.323-Videoconferencing Angebot des RRZN

Ziel dieses Artikels ist ein Überblick über die vorhandenen Einrichtungen und angebotenen Dienste des RRZN im Bereich des Videoconferencing. Dabei wird auf die Netzkomponenten und -dienste sowie auf die einsetzbaren Endgeräte eingegangen. Mit dem Begriff »Videoconferencing« sind hier in der Regel Konferenzen über das IP-Netz gemeint.

Am RRZN/RVS wird bereits seit längerer Zeit das Thema Videoconferencing verfolgt. Die erste verfügbare Lösung waren die »MBone-Tools«, eine Sammlung von Software-Tools für UNIX Rechner, die über den Multicast-Backbone, einen Verbund von multicastfähigen Routern, vornehmlich im Hochschulbereich, kommunizieren konnten. Hierfür wurde am RVS das Tool »Confman« zur Initiierung und Steuerung von Konferenzen entwickelt. Die Schwachpunkte der MBone-Tools lagen in einer häufigen Asynchronität von Bild und Ton sowie in der mangelnden Stabilität.

Mittlerweile haben sich überwiegend Lösungen auf Basis des H.323-Standards, der das IP-Pendant des H.320-Standards für ISDN darstellt, durchgesetzt. Dabei findet kein Multicasting statt, sondern eine zentrale Netzkomponente (MCU - Multipoint Control Unit/Gatekeeper) übernimmt die Vermittlung und Steuerung der Konferenz. Die weiteren Erläuterungen in diesem Artikel beziehen sich auf H.323-Lösungen.

Videoconferencing-Endgeräte/-Software

Bei den derzeit verfügbaren Videokonferenz-Endgeräten gibt es verschiedene Systeme am Markt, die im Hinblick auf die Realisierung einige Unterschiede aufweisen.

Zum einen gibt es reine Software-Systeme wie z. B. Microsoft Netmeeting, das auf PCs mit Windows-Betriebssystem bereits enthalten ist, allerdings nur bis Windows Vista. Netmeeting erfüllt im Allgemeinen nicht die Ansprüche, die hinsichtlich Bildqualität und Störungsfreiheit an professionelle Videokonferenzen gestellt werden. Zudem kann es hier Probleme hinsichtlich der Stabilität geben, so dass Netmeeting bei Mehrpunkt-Konferenzen nicht bevorzugt eingesetzt werden sollte. Andererseits können ggf. ergänzende Softwareprodukte, z. B. zum gemeinsamen Betrachten von Vortragsfolien (»Application Sharing«, z. B. Microsoft Netmeeting/ PowerPoint), sinnvoll eingesetzt werden. Desweiteren gibt es kommerzielle "Nur-Software"-Lösungen wie z.B. Polycom PVX oder Mirial Softphone, die bei Einsatz einer geeigneten USB-Kamera eine Alternative zu Hardware-Systemen sein können.

 

Bei den am RRZN vorwiegend eingesetzten Systemen handelt es sich um eigenständige Hardware-Lösungen, für die zusätzlich nur noch ein Anzeigegerät (z. B. Fernseher, Projektor) sowie der Anschluss an das IP-Netz benötigt wird. Die in diesen Geräten implementierten Hardware-Codecs ermöglichen üblicherweise eine höhere Bildqualität als reine Software-Lösungen. Ein weiterer Vorteil ist ein deutlich stabileres Laufzeitverhalten.

Inzwischen wird auch Videoconferencing in HD-Auflösung unterstützt. Systeme dieser Art gibt es unter anderem von den Firmen Polycom und Tandberg.

Die am RRZN hauptsächlich eingesetzte Polycom HDX 9004 ermöglicht HD-Videokonferenzen mit einer 720p-Auflösung (1280*720 Bildpunkte).

Dieses Gerät enthält eine über Kabel angeschlossene separate Kamera, die motorbetrieben horizontal und vertikal geschwenkt werden kann. Die Kamera wird sinnvollerweise in der Nähe des Anzeigegerätes platziert, wie etwa auf dem angeschlossenen Display, das eigentliche Gerät kann in einem Medienschrank in der Nähe Platz finden.

Zur Tonübertragung besitzt die HDX 9004 ein spezielles Mikrofon, das möglichst in die Mitte des Konferenztisches gestellt werden sollte. Dadurch lässt sich auch die ungefähre Position des Sprechers im Raum ermitteln. Falls gewünscht, wird die Kamera immer automatisch auf diese Position ausgerichtet, aber auch feste Voreinstellungen der Kamera sind möglich. Für IP-Verbindungen wird eine Bandbreite von bis zu 4 Mbit/s unterstützt.

Netzkomponenten für Videokonferenzen

Ein einfacher Videoanruf zwischen zwei Endgeräten lässt sich als direkte Punkt-zu-Punkt Verbindung ohne zusätzliche Netzkomponente durchführen, die IP-Adresse / H.323-Nummer wird direkt gewählt. Soll eine Verbindung zwischen drei oder mehr Endgeräten hergestellt werden, ist eine Multipoint-Control-Unit (MCU) für die Signalzusammenschaltung und -mischung erforderlich sowie ein zugehöriger Gatekeeper, der für die Zugangskontrolle und Signalisierung zuständig ist und die H.323-Namen und -Nummern in IP-Adressen umsetzt.

Ein schematischer Aufbau der Netzkomponenten einer Videoconferencing-Infrastruktur ist in Abbildung 1 zu sehen. Die Netzkomponenten bestehen aus der MCU sowie dem zugehörigen Gatekeeper. Das RRZN betreibt einen Gatekeeper, an dem Ihr Video-Konferenz-Endgerät zur Nutzung von Mehrpunktkonferenzen über den DFN-Videokonferenzdienst bzw. zur Integration in den weltweiten Gatekeeper-Verbund registriert sein muss. Bitte setzen Sie sich zur Registrierung von Endgeräten mit uns (s. u.) in Verbindung.

Im Gegensatz zur Punkt-zu-Punkt-Verbindung von zwei Geräten, bei der von einem Gerät direkt entweder H.323-Nummer, H.323-Name oder IP-Adresse des anderen Gerätes aufgerufen wird, wird eine Mehrpunkt-Konferenz von den Endgeräten über eine so genannte Konferenzkennung angewählt.

Diese Nummer kennzeichnet die Konferenz eindeutig. Sie sollte vorab unter den Teilnehmern verabredet werden. Für den Beginn einer Konferenz bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder alle Teilnehmer wählen sich selbst in die Konferenz ein, oder der Initiator der Konferenz lädt weitere Teilnehmer ein. Bei den Endgeräten der eingeladenen Teilnehmer wird dann ein eingehender Anruf signalisiert.

Eine Konferenz kann nach unterschiedlichen Modi ablaufen. Es wird zwischen »Continuous Presence« und »Voice Activated« unterschieden.

  1. Continuous Presence: Bei diesem Modus ist der Bildschirm in verschiedene Bereiche aufgeteilt, jeder Teilnehmer der Konferenz ist in einem dieser Bildteile sichtbar. Gibt es mehr Teilnehmer als Bildschirmteile, wechselt ein bestimmter Bildausschnitt jeweils zum momentan sprechenden Teilnehmer. Dieser Modus ist vor allem bei Konferenzen mit wenigen Teilnehmern sinnvoll, da sich in diesem Fall stets alle Teilnehmer gegenseitig im Blick haben.
  2. Voice Activated: In diesem Modus wird der Bildschirm stets im Vollbild dargestellt, immer wird für die anderen Teilnehmer derjenige Teilnehmer angezeigt, der momentan spricht. Der Sprechende sieht dagegen nicht sich selbst, sondern den Teilnehmer, der als letzter vor ihm aktiv war. Dieser Modus wird nur noch selten angewendet, vorteilhaft ist er insbesondere bei kleinen Bildschirmen.

Die Entscheidung über den Konferenzmodus bleibt den Nutzern vorbehalten. Bei Konferenzen mit wenigen Teilnehmern ist es unter Umständen sinnvoller, eine »Continuous Presence«-Konferenz durchzuführen, da sich dabei immer alle Teilnehmer sehen können, während bei einer größeren Anzahl von Teilnehmern oder kleinen Bildschirmen eher der »Voice Activated«-Modus vorteilhaft ist.

Üblicherweise beginnt eine Konferenz im »Continuous Presence«-Modus, das Layout kann aber über eine webbasierte Administrationsoberfläche auch während der Konferenz jederzeit verändert werden.

Der Gatekeeper des RRZN ist mit dem deutschen Country-Gatekeeper verbunden und damit in den internationalen Gatekeeper-Verbund eingebunden. Auf diese Weise können sämtliche am weltweiten Verbund teilnehmende Geräte erreicht werden. Außerdem ist ein am RRZN-Gatekeeper angemeldetes Gerät auch von allen anderen im internationalen GK-Verbund registrierten Geräten erreichbar. Eine schematische Darstellung der Infrastruktur zeigt Abbildung 2.

Die Bedienung der Videokonferenz-Geräte kann komplett über die zugehörige Fernbedienung erfolgen.

Weitere Informationen zu Videokonferenz-Lösungen, insbesondere zu neueren Entwicklungen, erhalten Sie im vom DFN-Verein gesponsorten Videokonferenz-Kompetenzzentrum (VCC) an der TU-Dresden : http://vcc.zih.tu-dresden.de/

Als Einsatzgebiete für Videokonferenzen empfehlen sich Besprechungen zwischen räumlich verteilten Arbeits- und Projektgruppen. Auch bei Veranstaltungen mit einer Gruppe von Personen an jedem Standort kann ein Einsatz sinnvoll sein. Außerdem können mit dieser Technologie beispielsweise Fern-Vorlesungen, bei denen eine Interaktion mit den Hörern möglich sein soll, abgehalten werden.

Falls es hauptsächlich darauf ankommt, ein größeres Publikum zu erreichen, und auf eine Rückmeldung verzichtet werden kann, kommt auch ein Live-Streaming in Betracht, über das im Artikel »Das Audio-/Videostreaming-Angebot« informiert wird.

Die gezeigte Infrastruktur ist bereits in mehreren Einrichtungen im Einsatz. Unter anderem finden im Learning Lab Lower Saxony (L3S) und auch im RRZN selbst regelmäßige Besprechungen für unterschiedliche Projekte per Videokonferenz statt.

Neben den geschilderten Szenarien sind viele weitere Nutzungsmöglichkeiten denkbar.

Ansprechpartner und Anmeldung/Registration zum VC-Dienst

Wir beraten Sie gern bei Fragen zum Einsatz von Videokonferenzen und ermöglichen selbstverständlich auch einen Test. Weiterhin ist ein Verleih von Videokonferenzgeräten sowie (bei entsprechender Raumverfügbarkeit) die Nutzung der lokalen Geräte im RRZN möglich. Bitte setzen Sie sich dazu mit Herrn Oltmann, Tel. 3137, in Verbindung.
Zur Anmeldung Ihres VC-Gerätes für den Gatekeeper-Dienst und damit zur Teilnahme am DFN-Videokonferenz-Dienst schicken Sie bitte eine E-Mail an unsere Netz-Mailbox.

Informationen zu Mehrpunktkonferenzen und Konferenzreservierung

Mehrpunktkonferenzen werden durch den Video-Conference-Dienst des DFN-Vereins ermöglicht. Informationen zu diesem Dienst finden Sie auf den Seiten des DFN-Vereins:

Über diese Seiten können Sie für Ihr im RRZN registriertes Video-Konferenz-Gerät eine Mehrpunkt-Konferenz anmelden.

Letzte Änderung: 22.03.2010
 
Verantwortlich RRZN