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Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik

Laufende Forschungsprojekte:

  • Unsteady Work Optimized Turbine
  • Diagnostik und Verlaufskontrolle von Lungenerkrankungen anhand exhalierter Aerosole (Untersuchung der Aerosolentstehung im Exhalat)
  • Very Low Reynolds Aerodynamik
  • Aktive Strömungsbeeinflussung in aerodynamisch hoch belasteten Verdichter-Statoren durch den Einsatz von Strahlklappen
  • Turboladerspezifische Schmierfilmdissipation
  • Sonderforschungsbereich 871 - Teilprojekt A3
  • Grundlegende Technologien für die Hochaufladung von Fahrzeugmotoren
  • Sonderforschungsbereich 871 Teilprojekt B3

Publikationen

Unsteady Work Optimized Turbine

Im Rahmen des Luftfahrtforschungsprogramm LuFo IV Call 2 werden am Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik (TFD) numerische und später auch experimentelle Untersuchungen zur instationären Interaktion von rotierenden und stehenden Schaufelreihen in einer 1,5 stufigen Luftturbine durchgeführt, indem unterschiedliche axiale Abstände zwischen den Schaufeln betrachtet werden. Ziel der Untersuchung ist eine Optimierung zukünftiger Turbinen in Hinblick auf diese Effekte. Die optimale Nutzung Messtechnischer Ressourcen soll durch numerische Untersuchungen, welche dem Experimente vorausgehen, gewährleistet werden. Die Berechnung dient weiter der Erprobung und Validierung von Modulen im Code, mit dem Zweck die zukünftigen Anwendungen in der Industrie zu ermöglichen.


Um alle Effekte ausreichend zu erfassen und möglichst wenig zu idealisieren ist eine hohe räumliche und zeitliche Auflösung des Rechengebiets notwendig. So werden die Grenzschichten sowohl auf den Schaufeloberflächen als auch an Nabe und Gehäuse voll
aufgelöst (Low-Reynolds Modell), was einen Dimensionslosen Wandabstand von y+=1 notwendig macht. In Kombination mit den hohen Reynolds-Zahlen des Betriebspunktes von Re ~ 600 000 ergibt sich durch die schrittweise Annäherung an diese Zellweite ein sehr feinmaschiges Netz und bedarf damit entsprechend Speicher und Rechenzeit. Die Zeitliche Auflösung orientiert sich an den zu erwarteten Effekten und beträgt ca. 1/30 000 Sekunde.


Da die Interaktionen zwischen den Schaufelreichen untersucht werden sollen, ist die Verwendung von Ausmischebenen zwischen den Reihen nicht möglich. Aufgrund der Anzahl der Schaufeln von 18 (Stator 1), 30 (Rotor1) und 36 (Stator 2) ergibt sich die Möglichkeit einen 60° Ausschnitt der gesamten Turbine zu berechnen, so dass lediglich 3, 5 und 6 (in Summe 14) Schaufeln berechnet werden müssen. In Kombination mit der oben begründeten Netzauflösung fasst das zu berechnende Netz ca. 35 000 000 Zellen, aufgrund der Instationarität sind ~864 Schritte zur Berechnung einer Periode von 60° notwendig. Um weiter auch Störungen auf die Strömung wie z.B. Leckageströme durch Dichtungen zu untersuchen, sollen diese ebenfalls für einen Fall voll räumlich aufgelöst und berechnet werden. Daraus ergibt sich ein weiterer Zuwachs um ca. 10 000 000 Zellen. Insgesamt werden 3 verschiedene Spaltweiten im Auslegungspunkt mit idealen und gemessenen Randbedingungen berechnet. Darüber hinaus sollen die Schaufelgeometrien hinsichtlich der instationarität optimiert werden, wodurch zusätzliche Berechnungen entstehen.


Für das oben genannte Projekt wird ein Bedarf über den Zeitraum eines Jahres von 250 Stunden auf 128 Prozessoren erwartet. Als Arbeitsspeicher werden in diesem Zusammenhang ca. 144 GB benötigt. Für die Datenspeicherung werden permanent ca. 300 GB und temporär ca. 210 GB nötig sein. Um die Rechnungen durchführen zu können ist zurzeit ein Antrag für eine dauerhafte Nutzerkennung auf dem HLRN in Bearbeitung. Erste Rechnungen werden bereits durchgeführt.


Im Rahmen dieses Projekts sollen einzelne Fragestellungen in Form von Projekt- und Abschlussarbeiten von Studenten bearbeitet werden, z.B. quasi dreidimensionale Betrachtungen. Für diese Berechnungen werden zusätzlich Ressourcen am RRZN notwendig sein.


Als Strömungslöser kommt der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte Solver TRACE zum Einsatz, so dass keine Bindung an Lizenzen besteht.

Diagnostik und Verlaufskontrolle von Lungenerkrankungen anhand exhalierter Aerosole (Untersuchung der Aerosolentstehung im Exhalat)

Dieses Projekt wird von der DFG als Teil des Paketantrags PAK 161 unter dem Geschäftszeichen 1023/11-2 gefördert. Die aktuelle Projektphase läuft bis zum 30.05.2012.

Die Diagnostik von Lungenerkrankungen durch Analytik nicht-volatiler Moleküle ist entscheidend von der Generierung der Mikropartikel in der Lunge als Aerosol abhängig. Ziel des Projektpakets ist die Entstehung der Aerosole in den unteren Atemwegen und den Transport der generierten Aerosole in der Ausatemluft zu berechnen. Im Rahmen des Paketantrags kooperiert das TFD mit dem Aerodynamischen Institut der RWTH Aachen (AIA) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sowie dem Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM).

Das Teilprojekt am TFD beinhaltet die numerische Untersuchung der Entstehungsmechanismen von Aerosolen in den unteren Atemwegen der Lunge. In der aktuell laufenden, Projektphase wird der dynamische, instationäre Prozess eines Atemwegsverschlusses mit anschließender Eröffnung kollabierter Atemwege betrachtet. Die unteren Atemwege der Lunge sind mit einer Flüssigkeit benetzt, die oberflächenaktive Proteine (surfactant = surface active agent) enthält. Bei der Eröffnung der Atemwege wird ein Flüssigkeitsfilm aus Lungensurfactant aufspannt, bei dessen Zerreißen Aerosolpartikel gebildet werden. Zielsetzung des Projekts ist die Ermittlung von Partikelgrößenverteilungen für die entstehenden Aerosole unter Verwendung von 3-D Rechennetzen. Ebenso werden Einflüsse variierender Materialeigenschaften des Lungensurfactants und veränderlicher Umgebungsbedingungen betrachtet. Ein Schwerpunkt ist dabei auch die Implementierung von Netzbewegungen. Bei der Fluidbewegung handelt es sich um eine Strömung mit freier
Oberfläche. Sowohl die Form als auch die Lage der freien Oberfläche zwischen Luft (gasförmig) und Lungensurfactant (flüssig) müssen als Teil der Lösung bestimmt werden. Dies geschieht mit Hilfe der von Hirt und Nichols (1981) entwickelten Volume-of-Fluid Methode (VOF).

Für diese instationären CFD-Berechnungen wird die kommerzielle Software StarCCM+ von CDadapco genutzt. StarCCM+ bietet Möglichkeiten zur individuellen Erweiterung oder Modifizierung der Standardfunktionen. Es können z.B. physikalische Eigenschaften,
Gitterbewegungen und Zeitschrittgröße in eigenen Funktionen zur Laufzeit berechnet und dem Programm zurückgegeben werden.

Aktuell werden serielle und parallele Rechnungen mit kleinen Rechennetzen zu Testzwecken lokal auf dem institutseigenen Server durchgeführt. Im weiteren Projektverlauf wird es aber erforderlich sein, auf leistungsfähigere Hardwareressourcen zuzugreifen. Für die Zielsetzung der Bestimmung von Größenverteilungen der entstehenden Aerosole sollen Netze der Atemwege mit lokalen Netzverfeinerungen instationär berechnet werden. Dadurch sollen Partikel von 0,1 ?m Durchmesser aufgelöst werden können. Es ist geplant, Rechennetze mit mehr als 50 Millionen Zellen zu berechnen. Durch die zusätzliche Einbindung von dynamischen
Netzbewegungen steigt der Rechenaufwand weiter an. In diesem Zusammenhang ist geplant ein Großprojekt beim Norddeutschen Verbund für Hoch- und Höchstleistungsrechnen (HLRN) zu beantragen.

Im Rahmen dieses DFG-Projekts sollen ebenfalls einzelne Fragestellungen in Form von Projekt- und Abschlussarbeiten von Studenten bearbeitet werden. Für diese Berechnungen werden zusätzlich Ressourcen am RRZN notwendig sein.

Für das oben genannte Projekt wird ein Bedarf über den Zeitraum eines Monats von 150 Stunden auf 128 Prozessoren erwartet. Als Arbeitsspeicher werden in diesem Zusammenhang ca. 75 GB benötigt. Für die Datenspeicherung werden permanent ca. 400 GB und temporär ca. 200 GB nötig sein.

Very Low Reynolds Aerodynamik

Im Rahmen des Luftfahrtforschungsprogramm LuFo IV des Bundeswirtschaftsministeriums werden am Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik (TFD) die CFD-Methoden in TRACE für Niederdruckturbinen-Anwendungen bei niedrigen Reynoldszahlen (< 100.000) mit aktiver und passiver Strömungsbeeinflussung (stationäre Ausblasungen, synthetic jet, diskrete Rauhigkeiten) zur Verringerung von saugseitigen Ablöseblasen durch Veränderung der Transitionslage weiterentwickelt.

Das Ziel ist die Qualifizierung des RANS-CFD-Solvers TRACE zur Vorhersage von typischen aerodynamischen Designparametern von hochbelasteten ND-Turbinenprofilen mit Strömungsbeeinflussung. Hauptgegenstand der Arbeiten sind hierbei insbesondere stationäre saugseitige Ausblasungen. Nach umfassender Validierung der vorhandenen Transitionsmodellierung anhand von Gitterwindkanalexperimenten wird derzeit ein neuartiges Transportgleichungs-Transitionsmodell weiterentwickelt und in TRACE implementiert, um ausblasungsinduzierte Transition erfassen zu können.

Um Netzabhängigkeitseffekte bei der Enwticklung des neuen Transitionsmodells auszuschließen, werden im Bereich der Strömungsbeeinflussung hochaufgelöste Rechennetze verwendet. Hierbei werden wandnormal y+-Werte um 1 erreicht aber auch wandparallel dimensionslose Zellabständen zwischen 3 und 12. Für eine Schaufel können so leicht Netzknotenzahlen um 10 Millionen erzielt werden. Die Betrachtung der Ausblasungen bei instationärer Zuströmung erfordert ferner eine entsprechend hohe zeitliche Auflösung der Simulation, so dass insgesamt bis zu 10.000 Iterationen notwendig werden.

Insgesamt ist mit Ressourcen von 12-24 Prozessoren bei einer Rechenzeit von bis zu 24 Stunden je Untersuchung zu rechnen.

Im Rahmen dieses Projekts werden ebenfalls einzelne Fragestellungen in Form von Projektund Abschlussarbeiten von Studenten bearbeitet.

Aktive Strömungsbeeinflussung in aerodynamisch hoch belasteten Verdichter-Statoren durch den Einsatz von Strahlklappen

Im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts „Aktive Strömungsbeeinflussung in aerodynamisch hoch belasteten
Verdichter-Statoren durch den Einsatz von Strahlklappen“ (DFG-Förderkennzeichen SE1023/12-01) werden am Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik (TFD) numerische und später auch darauf aufbauende experimentelle Untersuchungen zur aktiven Strömungsbeeinflussung in einem 4-stufigen Axialverdichter durchgeführt. Die optimale Nutzung messtechnischer Ressourcen und der verfügbaren Versuchszeit soll durch numerische Untersuchungen, welche dem Experiment vorausgehen, gewährleistet werden. Die
numerischen Rechnungen werden parallel zur Entwicklung und Validierung von auf Quell- und Senkentermen basierenden Modulen im CFD-Code TRACE dem Deutschen Zentrum für Luftund Raumfahrt (DLR) zur Verfügung gestellt, um die Entwicklung ressourcenschonender Methoden zur schnellen Auslegung von Maßnahmen zur aktiven Strömungsbeeinflussung in der Industrie voranzutreiben.

Der gesamte 4-stufige Axialverdichter wird für die numerischen Rechnungen zwischen den im Experiment verwendeten Bilanzierungsebenen an Ein- und Austritt mit seinen 9 Schaufelreihen und der innerhalb der Ausblasschaufel liegenden Sekundärluftführung vernetzt, da die Interaktionen zwischen der Ausblasung und der Schaufelumströmung, sowie der Einfluss der aktiv beeinflussten Schaufelreihe auf stromab liegende Verdichterstufen untersucht werden sollen. Um alle Effekte ausreichend zu erfassen und möglichst wenig zu idealisieren ist eine hohe räumliche und zeitliche Auflösung des Rechengebiets notwendig. So werden die Grenzschichten sowohl auf den Schaufeloberflächen als auch an Nabe und Gehäuse sowie innerhalb der konkret ausgeführten Ausblaskanäle voll aufgelöst (Low-Reynolds Modell), was einen dimensionslosen Wandabstand von y+ = 1 erfordert. In Kombination mit hohen Reynolds-Zahlen der betrachteten Betriebspunkte von Re ~ 400.000 ergibt sich durch die schrittweise Annäherung an diese Zellweite ein sehr fein aufgelöstes Rechennetz und benötigt damit entsprechend Speicher und Rechenzeit.

Durch die hohe Netzauflösung und die Berücksichtigung aller 9 Schaufelreihen inklusive Sekundärluftführung wird das zu berechnende Netz voraussichtlich ca. 20 Millionen Zellen umfassen.

Turboladerspezifische Schmierfilmdissipation

Im Rahmen des Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen (FVV) werden am Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik (TFD) numerische und experimentelle Untersuchungen zum Reibleistungsverhalten von Turboladern durchgeführt. Gegenstand des Projekts sind numerische Untersuchungen zum strömungsmechanischen und thermischen Verhalten von Gleitlagern für schnelllaufende Rotoren in Abgasturboladern. Im Fokus der Untersuchungen steht die Schmierfilmdissipation. Mit Hilfe von CFD- Rechnungen sollen strömungsbedingte Rotorkräfte auf die Laufräder bestimmt und mittels einer FSI die resultierende Lagerbelastungen ermittelt werden. Ziel des Vorhabens ist die Erstellung eines Modells zur Darstellung der Lagerprozesse in Motorsimulationsverfahren. Diese werden in der
Fahrzeugindustrie zur Optimierung und Steuerung von Verbrennungsmaschinen eingesetzt. Das Vorhaben ist industrienah und in ein komplementäres Projekt aus Numerik und Experiment eingebettet. Die verwendete Softwarebasis basiert auf der ANSYS Workbench (CFX, FLUENT, Mechanical). Die derzeitigeren numerischen Untersuchungen werden am HLRN durchgeführt.

Im Rahmen dieses Projekts werden einzelne Fragestellungen in Form von Projekt- und Abschlussarbeiten von Studenten bearbeitet. Für diese Berechnungen werden zusätzlich Ressourcen am RRZN notwendig sein.

Sonderforschungsbereich 871 - Teilprojekt A3

Im Rahmen des SFB 871 wird der Abgasstrahl eines Flugtriebwerks mit einer optischen Messmethode vermessen. Ziel ist es über die Ungleichmäßigkeiten in der Temperaturverteilung auf Defekte im Heißgaspfad des Triebwerks schließen zu können. In Voruntersuchungen soll die Messmethode an einem Druckluftkanal sowie an einem Brennerprüfstand untersucht werden.

Die Datenbasis für die Zuordnung von Defekten zur Strömung im Freistrahl wird parallel mit CFD-Simulationen gebildet. Die Simulation der Dichteunterschiede im Druckluftkanal sowie Brennerprüfstand werden mit ANSYS CFX durchgeführt. Da die Auflösbarkeit kleinster Dichteunterschiede untersucht wird und die Prüfstände mit Abmessungen von 1500 x 300 mm vergleichsweiße groß sind, werden Netzte mit 5 000 000 bis 20 000 000 Knoten notwendig sein.

Für die Untersuchung von Defekten am Triebwerk soll die Turbine des Triebwerks komplett in 360° vernetzt und instationär gerechnet werden. In ersten Untersuchungen wird nur die Niederdruckturbine vernetzt und gerechnet. In Voruntersuchungen wurde festgestellt, dass Netze mit 100 000 000 Knoten hinreichend genaue Ergebnisse liefern können. Diese Rechnungen werden mit dem DLR-Programmcode TRACE gerechnet. Aufgrund des Umfangs der Rechnungen werden sie am HLRN gerechnet. Die Auswertung der Rechnung kann wegen der Größe nicht am Institut erfolgen sondern muss am RRZN durchgeführt werden.

Weitere Schritte umfassen die Vernetzung und Simulation der Hochdruckturbine, sowie die Simulation des Gesamten Heisgaßpfads mit gezielt eingebrachten Störungen. Dies wird voraussichtlich 2012 durchgeführt.

Grundlegende Technologien für die Hochaufladung von Fahrzeugmotoren

Im Rahmen des NTH-Forschungsprojekt „Grundlegende Technologien für die Hochaufladung von Fahrzeugmotoren“ wird am TFD ein variabler Vorleitapparat für einen ausgewählten Turboladerverdichter untersucht und mit Blick auf die Anforderungen zur Hochaufladung
bewertet. Durch die Verwendung eines Vorleitapparates kann ein direkter Einfluss durch die verbesserten aerodynamischen Eigenschaften auf die Lage der Pumpgrenze des Verdichters genommen werden. Dieser Einfluss des Vorleitgitters wird zunächst in einem 1D-Modell zur Abschätzung des Betriebsverhaltens von Turboladerverdichtern implementiert und untersucht. Zur Untersuchung und Verifikation der verwendeten Verlustmodelle sind 3D CFD Simulationen für Kennfeldpunkte im gesamten Betriebsbereich des Verdichters notwendig. Mit Hilfe des verifizierten 1D-Rechenmodells wird ein variables Vorleitgitter für den Verdichter ausgelegt. Zur Beurteilung des Einflusses des variablen Vorleitgitters auf das Betriebsverhalten des Verdichters werden 3D CFD Simulationen relevanter Betriebspunkte durchgeführt. Im Anschluss an die Auslegung und numerische Untersuchung des Vorleitapparates erfolgen die Fertigung der entsprechenden Bauteile und eine experimentelle Verifikation des Betriebsverhaltens des Verdichters mit Vorleitapparat.

Für die Verifikation der Verlustmodelle des Verdichters und die aerodynamischen Einflüsse des Vorleitgitters ist eine hohe räumliche und zeitliche Auflösung des Rechengebiets notwendig. Die einzelnen Effekte der Verluste, wie z.B. Reibung, Dissipation, etc., sowie die Effekte einer drallbehafteten Strömung durch das Vorleitgitter sollen ausreichend aufgelöst werden. Dazu werden die Grenzschichten auf den Oberflächen der Schaufeln, an der Nabe und am Gehäuse sowohl des Verdichters als auch des Vorleitgitters voll aufgelöst (Low-Reynolds Modell), was einen dimensionslosen Wandabstand von y+=1 notwendig macht. Daraus ergibt sich ein sehr feinmaschiges Rechnen Netz und damit ein hoher Bedarf an Speicher, Rechenleistung und -zeit.

Um den Einfluss der Verlusteffekte über den ganzen Betriebsbereich eines Turboladerverdichters zu betrachten, werden für vier Drehzahllinien jeweils vier unterschiedliche Betriebspunkte gerechnet. Diese 16 Betriebspunkte werden später ebenfalls mit dem Vorleitgitter und sieben verschiedenen Gitterstellungen (0° bis 60° Anstellwinkel) nachgerechnet, um Rückschlüsse auf den Einfluss eines Vordralls auf das Verdichterkennfeld zu ziehen. Da Radialverdichter eine asymmetrische Abströmung aus dem Radialdiffusor in die Spirale aufweisen, können die verwendeten CFD Modelle nicht wie oft üblich als Segment berechnet werden. Um die durch die Asymmetrie auftretenden Strömungsphänomene erfassen zu können, ist eine Berechnung der vollständigen Geometrie erforderlich. Das Netz für die numerischen Berechnungen des Verdichters würde ca.10.000.000 Zellen umfassen und aufgrund der Instationarität sind ca. 1800 Schritte zur Auflösung der komplexen Strömungsvorgänge notwendig. Rechnungen mit dem Vorleitgitter hätten einen Zuwachs von ca. 3.000.000 – 5.000.000 Zellen zur Folge.

Sonderforschungsbereich 871 Teilprojekt B3

Die regenerationsbedingte Kombination von betriebsbeanspruchten Oberflächen und regenerierten Oberflächen führen zu komplexen
aerodynamischen Eigenschaften, die durch geeignete Charakterisierung berücksichtigt werden können. Die Bewertung aerodynamischer Verluste infolge lokal inhomogener Oberflächen soll durch eine Parametrisierung ursächlicher Wechselwirkungen zwischen Schaufelumströmung und lokal inhomogenen Oberflächenstrukturen erfolgen. Aus den Ergebnissen des Teilprojektes
sollen Toleranzen der Oberflächenbeschaffenheit für die Regeneration und neue Regenerationspfade für die Oberflächenbearbeitung festgelegt werden.

Im Rahmen des Projektes werden umfangreiche experimentelle Untersuchungen im Gitterwindkanal des TFD durchgeführt. Projektbegleitend sind numerische Strömungsberechnungen entlang der komplexen Oberflächenstrukturen vorgesehen. Ressourcenschonende Berechnungsverfahren wie instationäre RANS-Ansätze können für die Simulation der wandnahen, instationären Strömung nicht verwendet werden, da die wandnahe Strömung mit diesen Modellen physikalisch nicht sinnvoll erfasst werden kann.

Im Rahmen des Teilprojektes sind deshalb Large-Eddy-Simulationen (LES) an Oberflächenausschnitten vorgesehen mit dem Ziel, den Einfluss der komplexen Oberflächenstrukturen auf das Geschwindigkeitsprofil zu erfassen. Die LES-Berechnungen an Oberflächenausschnitten werden vorbereitend zur Implementierung des Widerstandseinflusses der komplexen Oberflächenstrukturen in Turbulenzmodelle und die Durchführung numerischer Berechnungen in zukünftigen Antragsphasen durchgeführt. Aus den Ergebnissen der LES-Berechnungen ergibt sich ergänzend zu den experimentellen Untersuchungen ein besseres Verständnis über die Wechselwirkung zwischen den komplexen Oberflächenstrukturen und wandnaher Strömung.

Der Begriff des Large-Eddy (großen Wirbels) ist zunächst irreführend, da mit der LES, je nach Netzfeinheit, auch sehr kleine Wirbelstrukturen aufgelöst werden können, wie beispielweise in unmittelbarer Nähe zu einer Oberfläche. Die LES unterscheidet sich jedoch von der direkten numerischen Simulation der Strömung (DNS), welche das turbulente Spektrum bis in die kleinsten Wirbelskalen vollständig berechnet und somit auf die Verwendung von modellbasierten Ansätzen verzichtet. Mit der LES hingegen werden sämtliche Wirbel, die größer als die Zellengrößen des diskretisierten Strömungsfeldes sind, über die Erhaltungssätze direkt berechnet. Wirbel die kleiner als die Zellengröße sind, werden über einen Modellansatz berechnet. Mit der LES sollten nach Fröhlich und von Terzi (2008) durch die korrekte Wahl der Zellengrößen 80% der Wirbel des turbulenten Spektrums aufgelöst werden. Wirbelstrukturen die kleiner als die Zellengröße sind werden hingegen modelliert, wodurch Rechenressourcen im Vergleich zur DNS geschont werden. Der Rechenaufwand ist jedoch um 10 bis 100 fach größer als für eine Strömungsberechnung mit RANS-Modellen. Mit der LES ist es deshalb möglich, den
anisotropen Einfluss von im Verhältnis zur Strömungsrichtung orientierten Oberflächenstrukturen auf den Reibungswiderstand zu berücksichtigen, da ein Großteil des turbulenten Wirbelspektrums ohne modellbasierte Ansätze berechnet wird.

Einige Publikationen

2010

  • Haslbeck, K.; Schwarz, K.; Hohlfeld, J.M.; Seume, J.R.; Koch, W. (2010):
    Submicron droplet formation in the human lung.
    Journal of Aerosol Science, Vol. 41, Issue 5
  • Herbst, F.; Biester, M.; Fiala, A.; Engel, K.; Seume, J.R.:
    Validation of Rans-Modelling Approaches for Active Flow Control by Vortex Generating Jets in a Low-Pressure Turbine Cascade.
    Proceedings of the 8th International Symposium on Engineering Turbulence Modelling and Measurements ­ ETMM8, 09-11 June 2010, Marseille, France.
  • Vorreiter, A.: Fischer, S.; Saathoff, H.; Radespiel, R.; Seume, J.R.:
    Numerical Investigations of the Efficiency of Circulation Control in a Compressor Stator.
    Proceedings of the ASME Turbo Expo, 14-18 June 2010, Glasgow, UK, GT2010-22721.
  • Sieker, O.:
    Einfluss von Drall und Nachlaufdellen auf Strömung und Druckrückgewinn in axialen
    Turbinenaustrittsdiffusoren.
    Dissertation, Leibniz Universität Hannover April 2010





2009

  • Fischer, K.; Seume, J.R. (2009):
    Location and Magnitude of Heat Sources in Solid Oxide Fuel Cells.
    Journal of Fuel Cell Science and Technology, Vol. 6, Issue 1
  • Fischer, K.; Seume, J.R. (2009):
    Impact of the Temperature Profile on Thermal Stress in a Tubular Solid Oxide Fuel Cell.
    Journal of Fuel Cell Science and Technology, Vol. 6, Issue 1
  • Glodic, N.; Bartelt, M.; Vogt, D.; Fransson, T. (2009):
    Aeroelastic Properties of Combined Mode Shape in an Oscillating LPT Cascade.
    Proceedings of the 12th International Symposium on Unsteady Aerodynamics and Aeroelasticity of Turbomachines, 01-04 September 2009 London, UK
  • Bartelt, M.; Mohseni, A.; Opilat, V.; Seume, J. (2009):
    Endoscopic Stereoscopic PIV Measurements in Turbomachines.
    Posterbeitrag International Symposium on 25 Years of Particle Image Velocimetry in
    Aerodynamics, 23-25 September 2009, Göttingen, Germany
  • Haslbeck, K.; Seume J.R. (2009):
    Aerosol Formation in the Alveoli ­ in Search of Sensitive Parameters Using Computational Fluid Dynamics.
    17th International Congress of the International Society for Aerosols in Medicine 2009, 10-14 May 2009, Monterey, California, USA, Abstract in the Journal of Aerosol Medicine and Pulmonary Drug Delivery, Vol. 22, Issue 2, p. 204
  • Kuschel, M.; Seume, J.R. (2009):
    Influence of the wakes of rotating spokes on the performance of a turbine exhaust diffuser.
    Proceedings of the 9th International Symposium on Experimental and Computational
    Aerothermodynamics of Internal Flows (ISAIF9), 8-11 September 2009, Gyeongju, Korea, Paper No. isaif9-055

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Dr. Paul Cochrane, Letzte Änderung: 24.02.2012
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